Staatsanwalt Aiden wurde vor sieben Monaten brutal überfallen, vermutlich wegen seiner Ermittlungen gegen einen p3d0kriminellen Verbrecherring. Seitdem verschleißt er Bodyguards im Akkord.
Doch sein neuer Bodyguard Stian passt ihm überhaupt nicht. Der taucht direkt aus dem Urlaub auf, in Boardshorts, Flip-Flops und T‑Shirt und nimmt weder Aiden noch dessen berühmten Laserblick besonders ernst.
Stian provoziert gern, hat eine große Klappe und kommentiert alles mit einem frechen Spruch. Aiden wiederum ist ein bissiger Zyniker.
Die beiden geraten deshalb ständig aneinander, was ihre Schlagabtausche herrlich unterhaltsam macht.
Für Stian ist Aidens schroffe Art kein Problem. Doch dass ihm der Staatsanwalt gleich am ersten Abend entwischt, bringt ihn richtig auf die Palme. Wie soll er so seinen Job machen? Als er Aiden kurz darauf aus einer gefährlichen Situation retten muss, erkennt dieser widerwillig, dass der vermeintliche Surferboy mehr kann, als er zunächst dachte.
Zwischen den beiden entsteht eine Dynamik, die von gegenseitiger Provokation lebt.
Aiden merkt schnell, dass er Stian mit zweideutigen Anspielungen aus dem Konzept bringen kann und nutzt das genüsslich aus. Denn eigentlich findet er seinen Bodyguard ziemlich attraktiv.
Als Stian schließlich seine körperliche Überlegenheit einsetzt, um seinen Willen durchzusetzen, kontert Aiden mit einem Kuss. Für Stian ist das ein Schock. Es sollte ihn nicht beschäftigen, schließlich ist er hetero.
Doch die unterdrückte, nicht eingestandene Anziehung zwischen ihnen prickelt gewaltig.
Dann kommt es zu einem Eklat, und Stian muss Aiden vorerst ohne Schutz zurücklassen. Und das während die Bedrohung durch den Verbrecherring weiterhin im Hintergrund lauert. Schließlich geraten beide in Lebensgefahr. Ob sie eine Chance haben zu entkommen und sich ihren Gefühlen zu stellen?
Was dann passiert, ist wirklich schockierend.
Das Buch ist durchgehend spannend und lebt von der intensiven Dynamik zwischen den Protagonisten. Trotz ihrer Unterschiede begegnen sie sich auf Augenhöhe, weil sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben und einander dadurch besser verstehen, als sie zugeben wollen. Aiden ist verbittert, kämpft mit Ängsten und Flashbacks und hat seit dem Überfall ein eingeschränktes Bein. Hinter seinem Zynismus versteckt er Schmerz und ein nicht verarbeitetes Trauma. Stian wiederum weiß genau, wie es ist, sich nach einer schweren Verletzung ins Leben zurückzukämpfen.
Für ihn gerät jedoch plötzlich alles ins Wanken. Warum fühlt er sich zu Aiden hingezogen, obwohl er sich nie zu Männern gezählt hat? Sein innerer Kampf und seine irrationalen Reaktionen darauf sind eindrucksvoll beschrieben und absolut nachvollziehbar. Der sonst so sonnige, gut gelaunte Typ schlägt plötzlich verbal um sich, weil ihn seine eigene Unsicherheit überfordert.
Die Beziehung der beiden ist intensiv, voller Höhen und Tiefen.
Einziger Kritikpunkt: Die wiederkehrende Selbstgeißelung beider Figuren wirkt stellenweise etwas übertrieben, und dass sie sich in Gedanken selten beim Vornamen nennen, hat mir nicht ganz gefallen.
Besonders schön ist das Setting in NRW, vor allem in Dortmund. Die vertrauten Orte verleihen der Geschichte sofort Lokalkolorit, und manche Ausdrücke spiegeln das wunderbar wider. Und ja: wer erinnert sich noch an die legendäre Cool Water Werbung?
Ich kann das Buch auf jeden Fall empfehlen!
Achtung: Triggerwarnung beachten.