Benjamin Carvalho begegnet Harrison Graham zum ersten Mal auf der Beerdigung von Harrisons Großvater, mitten im gottesfanatischen, republikanisch geprägten Red Springs in Texas.
Fünf Jahre später wird Harrison, kurz vor seinem 18. Geburtstag, aus seinem Eliteinternat geworfen. Offiziell geschieht das wegen ein paar vertickter Tabletten. Harrison würde es nie zugeben, doch die Rückkehr nach Texas macht ihm Angst. Dort wartet das Öl-Imperium seines Vaters auf ihn, das er eines Tages übernehmen soll, obwohl er das nie wollte.
Im Internat war er wenigstens jemand. Er war Captain des Lacrosse- und Footballteams, hatte Freunde und eine klare Rolle. Doch auch dort trug er ein Geheimnis mit sich herum.
Nach Texas hat Harrison kaum noch eine Bindung. Sein Vater betrachtet ihn ohnehin als Versager. Als er zurückkehrt, ist er verzweifelt und unglücklich.
Für Benji hat sich in den vergangenen Jahren dagegen kaum etwas verändert. Er wird noch immer schikaniert. Für viele ist er der Ausländer, der Nerd, der „Wind Boy“, weil seine Eltern Windkraftanlagen bauen.
Die Familien Carvalho und Graham sind seit Jahren verfeindet. Auf den ersten Blick haben Benji und Harrison nichts gemeinsam. Doch eines verbindet sie: Beide wollen nur das letzte Schuljahr hinter sich bringen und Texas anschließend möglichst schnell verlassen.
Als sie sich in der Schule wieder begegnen, gibt sich Harrison nach außen hin kühl, arrogant und desinteressiert. Trotz ihrer Unterschiede entsteht nach anfänglichen Schwierigkeiten jedoch eine Verbindung zwischen ihnen, aus der schließlich mehr wird.
Doch Benji verlässt Texas, während Harrison bleiben muss.
In den folgenden Jahren kreuzen sich ihre Wege immer wieder. Jedes Wiedersehen ist geprägt von Anziehung, Sehnsucht und Konflikten. Zwischen ihnen explodieren die Gefühle, doch ihre Beziehung ist etwas, das in Red Springs nicht akzeptiert wird und niemals an die Öffentlichkeit gelangen darf.
Besonders eindrücklich zeigt die Geschichte die Engstirnigkeit der Kleinstadt, in der alles verurteilt wird, was von den gesellschaftlichen Normen abweicht. Jedes Mal, wenn Benji nach Red Springs zurückkehrt, verändert sich seine Haltung. Er wirkt kleiner, vorsichtiger und belasteter. Auch Harrison dagegen spielt dort eine Rolle. Er zeigt nie sein wahres Ich.
Man versteht schnell, dass Harrison in einem inneren Gefängnis lebt. Er versteckt sich permanent, ist verzweifelt und stößt voller Wut die Menschen von sich, die ihm etwas bedeuten. Gleichzeitig macht sein Verhalten es nicht immer leicht, ihn zu mögen, denn manchmal behandelt er Benji und andere Menschen ausgesprochen verletzend.
Es dauert eine Weile, bis man Zugang zu ihm findet. Doch irgendwann überwiegt das Mitgefühl, weil deutlich wird, wie gefangen er in seinem Leben ist.
Die Beziehung zwischen Benji und Harrison ist ein ständiges emotionales Auf und Ab. Umso berührender sind die Momente, in denen sie zusammen sein können und für kurze Zeit einfach sie selbst sind.
Die Geschichte erstreckt sich über mehrere Jahre und lebt von dem Spannungsfeld zwischen starker Anziehung und dem Gefühl, dass ihre Liebe nicht sein darf. Die Feindschaft ihrer Familien und die Erwartungen, die auf beiden lasten, machen ein gemeinsames Leben nahezu unmöglich.
Vor allem Harrisons Vater denkt ausschließlich an Macht und Geld. Für ihn zählt der Erhalt seiner Position um jeden Preis.
Zusätzlich sorgt eine unerwartete Wendung im späteren Verlauf der Handlung für neue Spannung und verändert die Geschichte noch einmal grundlegend. Durch die teils verschachtelten Zeitsprünge und einige Wendungen war ich gelegentlich kurz verwirrt, was den Lesefluss stellenweise etwas gebremst hat.
Im Kern beschäftigt sich die Geschichte mit der Frage, ob man sich von starren Familienkonventionen, Traditionen, gesellschaftlichen Erwartungen und religiös begründeter Engstirnigkeit lösen kann. Gleichzeitig geht es um Macht, Reichtum und Intrigen sowie um den Konflikt zwischen alten Öldynastien und erneuerbaren Energien, die ihre Vorherrschaft bedrohen.
Insgesamt war die Geschichte wirklich spannend und ich habe sie sehr gerne gelesen. Und das Ende war für mich eine absolute Überraschung. Von mir eine Empfehlung.