Wenn Dirks Bruder ihn um einen Gefallen bittet, kann das nur schiefgehen. Dirk versucht ohnehin, Mike, dessen Partner Jamie und ihren Freundeskreis, alle offen schwul und in der Er0tikbranche tätig, zu meiden. Weil er sich nicht eingestehen will, was er längst weiß: dass er selbst auf Männer steht. Dass er sich nach genau der Art von Liebe sehnt, die Mike und Jamie miteinander haben. Seine Ehe ist längst nur noch Fassade.
Und dann steht plötzlich Jace vor ihm. Attraktiv, selbstbewusst, mit dem Ruf eines eiskalten Egoisten. Eine Rolle, die er perfektioniert hat, um niemanden zu nah an sich heranzulassen. Jace bewirbt sich als Model bei Mikes Agentur und lässt direkt eine Bombe platzen: Er sagt Dirk unverblümt ins Gesicht, dass dieser schwul sei. Das sei ja wohl offensichtlich bei diesen Blicken.
Für Jace ist das zunächst ein Spiel. Er will Dirk. Unbedingt. Und er ist dreist genug, es offen zu zeigen.
Für Dirk dagegen ist es ein Schlag ins Gesicht. Diese Wut, diese Scham, dieses Gefühl, völlig entblößt worden zu sein. Und gleichzeitig weiß er: Er hätte nicht darauf eingehen müssen. Aber er tut es.
Dirk steckt in einem ständigen inneren Kampf. Sein altes Leben passt ihm nicht mehr, er hat sich viel zu lange verleugnet. Und als die beiden schließlich eine Affäre beginnen, brennt alles. Verlangen, Wut, Verleugnung, Missverständnisse, Halbwahrheiten, ungesagte Worte. Beide struggeln, beide entdecken durch den anderen neue Seiten an sich.
Doch reicht das, wenn alles nur im Schatten stattfinden kann?
Die Geschichte ist emotional, intensiv und unbequem. Die Gedanken der Protagonisten sind so lebendig und bildhaft beschrieben, dass man völlig in ihre Gefühle und Konflikte eintaucht. Gleichzeitig bleibt immer Dirks schlechtes Gewissen gegenüber seiner Familie. Auch als Leser ist man hin- und hergerissen: Diese tiefe Verbindung zwischen Dirk und Jace auf der einen Seite und auf der anderen die Tatsache, dass Dirk seine Frau betrügt und Jace mit in dieses Chaos hineinzieht. Seine Egoismen machen wütend, seine Verletzlichkeit berührt.
Diese Geschichte hat mich mitgenommen, wütend gemacht, getroffen, seufzen lassen. Sie ist roh, intensiv und manchmal schwer auszuhalten. Aber genau deshalb so real.
Und genau deshalb eine absolute Leseempfehlung.
Ach ja: und ich wurde wieder daran erinnert, warum ich Jamie so liebe. Aber das müsst ihr selbst lesen.