Mick hat einen miserablen Tag erwischt. Erst der Streit mit seinem Kumpel Mo, mit dem er gemeinsam das Tierasyl führt: wie so oft ging es ums Geld, das ständig knapp ist. Dann bleibt auch noch sein Auto liegen, mitten im Weltuntergangs‑Regen, fernab jeder Ortschaft. Sein Handy ist leer, Hilfe unerreichbar.
Leon hat ebenfalls schlechte Laune. Er hat sich verfahren und sieht bei dem Wetter kaum etwas und fährt Mick beinahe über den Haufen. Nach einem kurzen Wutanfall beschließt er, dieses zwar recht ansehnliche, aber seltsam riechende „räudige Etwas“ mitzunehmen. Mick hatte kurz zuvor die Tierzimmer gereinigt, was den Geruch erklärt.
In Leons Villa ist Mick beeindruckt von Reichtum und Eleganz. Die beiden könnten unterschiedlicher kaum sein: Leon ist Autor unter Pseudonym, Verlagserbe, wohlhabend, ordentlich, geruchsempfindlich und ein wenig etepetete. Mick dagegen hat kaum Geld, trägt alte Klamotten, riecht im Zweifel nach Tierhinterlassenschaften, kennt das Leben auf der Straße und hat schon viel erlebt.
Trotzdem weckt Mick Leons Neugier. Als Leon erfährt, wie Mick die Reparatur seines Autos bezahlen will, schlägt er ihm einen Deal vor. Vielleicht könnte Leon sogar die Lösung für das finanzielle Problem des Tierasyls sein. Doch das, was er von Mick verlangt, passt nicht zu dessen Charakter.
Leon lässt niemanden wirklich an sich heran. Er mag Regeln und klare Absprachen, hat aber einen trockenen Humor, der immer wieder für Lacher sorgt. Dass er keinerlei Bezug zu Tieren hat, ist für Mick allerdings schwer zu verkraften. Bei ihm krabbelt schon mal eine Ratte aus der Hoodie‑Tasche, während Leon Katzenfutterdosen als das Ekligste bezeichnet, was er je getan hat. Leon im Tierasyl, zwischen Tierhaaren, Dreck und unzähligen Viechern: das ist abstrus komisch.
Der Schreibstil wirkt locker und gleichzeitig ein wenig rau, sehr flüssig zu lesen. Die Reise der beiden ist spannend, denn eigentlich passen sie überhaupt nicht zusammen. Die Geschichte ist manchmal roh und ungezügelt und wirkt dadurch umso echter und emotionaler. Beide müssen aus ihrer Komfortzone heraus, sich öffnen und Neues zulassen. Sie machen Fehler, einige Momente lassen einen zusammenzucken, doch gleichzeitig sind sie auch wieder großartig miteinander.
Eine Geschichte mit eindrucksvollen Charakteren und viel Dynamik. Für mich eine klare Leseempfehlung.
Zitat:
„Das sind keine Schafe“, sage ich.
„Das ist eine Art Heidschnucke“, meint Bianca.
„Aber sie sind bewaffnet“, wende ich ein und deute auf die gedrehten Hörner.